Nationalpark Lauwersmeer:
Land der Gezeiten
LAUWERSOOG (NL) - Bis zur Eindämmung der Lauwerszee im Jahr 1969 sah das Gebiet des jetzigen Nationalparks Lauwersmeer genauso aus wie das Wattenmeer heute. Ebbe und Flut bestimmten den Rhythmus. Die Lauwerszee war eine Bucht des Wattenmeers. Einige Jahrhunderte vor Christus siedelten sich auf den höheren gelegenen Teilen der Landschaft die ersten Menschen an. Die Siedlungen wurden mit Erde, Dung und Abfall erhöht. So entstanden die Wohnhügel, die in Friesland “terpen”, in Groningen “wierden” und in Deutschland “Warften” heißen.
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Bei Überschwemmungen boten die mitunter bis zu 10 Meter hoch aufgeschütteten Warften Schutz vor Hochwasser. Durch die wachsende Anzahl der Bewohner wurde es im Laufe der Jahre eng auf den Warften. Mönche in den Klöstern Nordostfrieslands begannen um 1000 n.Chr. mit dem Bau von Deichen, um tiefer gelegene Siedlungen und Äcker vor dem Wasser zu schützen. So entstanden Polder mit fruchtbarer Erde. Bereits in der Zeit um 1600 gab es Pläne, die breiten Meeresarme nach Dokkum und Groningen einzudeichen, aber die Schifffahrt zu diesen Städten war damals eine wichtige Einkommensquelle. Nachdem 1717 eine Flutwelle Hunderte von Opfern forderte, wurde beschlossen, das Dokkumerdiep mit einer Schleuse abzusperren. So entstanden die Dokkumer Nieuwe Zijlen. “Zijl” bedeutet Schleuse. Das Reitdiep, ein großer, vier Kilometer breiter Meeresarm, wurde 1877 bei Zoutkamp eingedeicht. Vor dieser Zeit waren Ebbe und Flut bis nach Dokkum und Groningen deutlich zu spüren.
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Landgewinnung mit Schlamm
Der niederländische Staat startete um 1930 groß angelegte Landgewinnungsprojekte: Es wurden 400 x 400 m große Sedimentationsfelder angelegt, auf denen sich auf jeweils 100 x 100 m großen, mit Dämmen und Pfahlreihen abgegrenzten Flächen der Schlamm ablagerte. Wassergräben, die immer wieder ausgebaggert werden mussten, sowie eine Öffnung im Reisigdamm auf der Meerseite sorgten für die Entwässerung. Durch die Eindämmung der Meeresströmung lagerte sich der mitgeführte Schlamm auf den abgegrenzten Flächen ab und begannen sich Deichpflanzen zu entwickeln. Als die Lauwerszee 1969 eingedeicht wurde, waren knapp 2000 Hektar mit Landgewinnungsflächen bedeckt. Ein Großteil davon wurde nach der Eindeichung kultiviert und als Ackerfläche genutzt.
Fischerei
Nach der Eindeichung der Lauwerszee im Jahr 1969 mit einem 13 km langen Abschlussdeich mit Sielen (mit dem Bau war bereits 1961 begonnen worden), musste die Fischereiflotte notgedrungen von Zoutkamp nach Lauwersoog umziehen. Dort liefern die Fischer heute täglich ihre frischen, bereits an Bord gekochten Krabben an. Jedes Jahr am Pfingstmontag, dem so genannten “Vlaggetjesdag”, macht die Fischereiflotte wieder im Hafen von Zoutkamp fest. In Zoutkamp befindet sich ein interessantes Fischereimuseum. Heute gibt es auf dem Lauwersmeer nur noch wenige Berufsfischer.
Nationalpark
Nach der Eindeichung der salzigen Lauwerszee im Jahr 1969 musste das Gebiet gestaltet und verwaltet werden. 7.000 Hektar lagen als Neuland brach und 2.000 Hektar sollten offene Süßwasserfläche werden. Die am höchsten gelegenen, fruchtbarsten Teile waren für den Ackerbau vorgesehen, der Rest wurde Naturgebiet, militärisches Übungsgelände und Erholungsgebiet. Die Naturgebiete nehmen rund 5.000 Hektar der Fläche ein und werden von der staatlichen Forstverwaltung (“Staatsbosbeheer”) verwaltet. Am 12. November 2003 wurde dem Lauwersmeer offiziell der Nationalparkstatus verliehen.









